Wir saßen anlässlich eines internen Strategieworkshops angeregt diskutierend im benachbarten Penta-Hotel zusammen, als eine meiner Kolleginnen sich erhob, um eine kurze „Biopause“ einzulegen.

Der Weg zu den Örtlichkeiten war mit einem vom Tagungsraum aus gut sichtbaren Piktogramm an der Wand gekennzeichnet, das die weit verbreitete, eher neutrale Abbildung zweier Personen unterschiedlichen Geschlechts in einen dramaturgischen Kontext größter Dringlichkeit versetzt hatte.

Das fanden wir alle noch erheiternd – ich selbst fühlte mich spontan an einige Situationen erinnert, in denen es mir selbst nur mit ventralem Extremyoga gelungen war, mich gerade noch rechtzeitig und mehr oder weniger geordnet zu erleichtern, insbesondere bei längeren Autobahnfahrten.

Der Gang, der sich an die Wand mit dem Piktogramm anschloss und zu den „Ruheräumen“ führte, war schwarzbraun gestrichen, fensterlos und nur spärlich beleuchtet. Das fahle Licht fiel gerade so eben auf zwei rot eingerahmte Türen, die zur besseren Orientierung ebenfalls mit noch kreativeren Piktogrammen beklebt worden waren, die mich verblüfften und irritierten:


Zeugt es – zumal in Zeiten sensibler Geschlechterdifferenzierung – wirklich vom notwendigen Feingefühl, wenn das männliche Piktogramm mit einem angedeuteten Penis, das weibliche mit einem Loch versehen wird? Denkt eine Frau beim Gang auf die Toilette wirklich an Shopping, ein Mann wirklich an Fußball? Und wenn – dieser Logik folgend – in den Urinalen auf den Herrentoiletten kleine Fußballtore montiert werden, um die Treffgenauigkeit zu erhöhen, was liegt dann in den Kloschüsseln für die Damen, das mir meine Frau bisher verschwiegen hat?

Sicher, Stereotypen können grundsätzlich bei der Orientierung helfen oder bieten zumindest Fixpunkte oder Gegensätze, an denen man sich ausrichten oder eben auch reiben kann. Aber diese – durch den Piktogrammstil natürlich noch verstärkte – Verkürzung unserer artspezifischen Vielgeschlechtlichkeit war sogar mir, einem entschiedenen Vertreter möglichst direkter und unmissverständlicher Sprache in Wort und Bild, deutlich zu platt.

Vielleicht müssen es nicht 26 separate Toilettenräume für alle bei Facebook möglichen Geschlechteridentitäten sein (die Bauindustrie würde sich bedanken), vielleicht ist es aber auch nicht nur ein weiterer Raum für das vom Bundesverfassungsgericht anerkannte, namentlich allerdings noch nicht etikettierte dritte Geschlecht.

Möglicherweise reichen drei weitere Toilettenräume für die etwa 5 Prozent der Menschen, die nicht völlig eindeutig weiblichen oder männlichen Geschlechts sind oder sein wollen? Im Sinne einer groben, aber hinreichenden Näherung könnte es dann zusätzliche Toiletten für die geben, die sich zumindest „irgendwie eher“ dem weiblichen, für solche, die sich zumindest „irgendwie eher“ dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen oder fühlen möchten, sowie eine dritte für solche Menschen, die sich beim besten Willen auch da noch nicht entscheiden können oder wollen oder dürfen, je nach äußeren und inneren repressiven Einflussfaktoren.

Bis es soweit ist und wir – anders als viele Länder dieses Planeten – in der Regel wenigsten schon mal zwei getrennte Toilettenräume nutzen können, plädiere ich bei der Gestaltung der Hinweisschilder für eine zurückhaltende, sachliche, eindeutige und nicht kompromittierende Bildsprache.

Klarheit hätte möglicherweise auch der älteren Dame geholfen, die ich in einem anderen Hotel sichtlich irritiert in der Herrentoilette antraf, und die sich kopfschüttelnd und völlig entsetzt darüber aufregte, dass in der Damentoilette Urinale hingen.

Herzliche Grüße,

Ihr Tom Eisenlöffel